Zeitarbeit, Personalleasing, Arbeitskräfteüberlassung – es gibt viele Begriffe, die zwar alle dasselbe meinen, aber immer wieder Verwirrung auslösen. Bei wem ist ein Zeitarbeiter angestellt? Wo arbeitet er? Welche Rechte hat er, und was spricht für bzw. gegen die Zeitarbeit? Alle wichtigen Informationen rund um das Thema Zeitarbeit in Österreich auf einen Blick.
Was bedeutet Zeitarbeit?
Unter Zeitarbeit bzw. Arbeitskräfteüberlassung, wie es rechtlich korrekt genannt wird, versteht man, wenn ein Arbeitnehmer (Zeitarbeiter) einen Arbeitsvertrag mit einer Zeitarbeitsfirma (Überlasser) hat, aber in einer anderen Firma arbeitet (Beschäftiger). In der Zeitarbeit ist der Überlasser (also die Zeitarbeitsfirma) der rechtliche Arbeitgeber der Arbeitskraft, während der Beschäftiger das Unternehmen ist, bei dem die Arbeit tatsächlich verrichtet wird.
Beide Firmen schließen dann einen Vertrag ab, der die Zurverfügungstellung der überlassenen Arbeitnehmer rechtlich regelt. Zulässig ist eine solche Zeitarbeit nur dann, wenn auch der Arbeitnehmer dem zustimmt.
Die Rolle der Zeitarbeitsfirmen hat sich dabei im Jahr 2025 deutlich weiterentwickelt: Viele Anbieter übernehmen inzwischen nicht nur die Personalbereitstellung, sondern auch On-Site-Management, Payrolling, oder sogar komplexe Teile der Personalprozesse direkt vor Ort beim Kunden.
Moderne Zeitarbeitsfirmen kümmern sich zudem um die Betreuung der überlassenen Mitarbeiter, organisieren Weiterbildungsmaßnahmen, steuern die Einsatzplanung und sorgen für eine möglichst reibungslose Integration der Zeitarbeitskräfte in die betrieblichen Abläufe des Kundenunternehmens. Dadurch verschwimmen in der Praxis oft die Grenzen zwischen externen und internen Mitarbeitern – bei klarer rechtlicher Trennung der Zuständigkeiten.
Was ist der Unterschied zwischen Zeit- und Leiharbeit?
Im Grunde genommen sind Zeitarbeit und Leiharbeit austauschbare Begriffe. In Österreich hat sich im alltäglichen Sprachgebrauch der Ausdruck „Leiharbeit“ etabliert, während der offizielle Begriff des Gesetzgebers „Arbeitskräfteüberlassung“ lautet. In Deutschland wird stattdessen der Begriff „Zeitarbeit“ verwendet, der jedoch ebenfalls das Verhältnis zwischen einer Firma, die Personal bereitstellt, einer anderen Firma, die zusätzliches Personal benötigt, und den betreffenden Personen beschreibt, die ihre Arbeitsleistung auf diese Weise zur Verfügung stellen.
Zeitarbeit in Österreich
Dass dieses Beschäftigungsmodell in der Praxis eine immer größere Rolle spielt, zeigen auch die aktuellen Zahlen: Im Jahr 2024 arbeiten rund 166.545 Menschen in Österreich in einer Arbeitskräfteüberlassung . Die Zeitarbeitsunternehmen in Österreich rekrutieren 51% ihrer Mitarbeiter aus der Arbeitslosigkeit. „Es zeigt sich, dass die Zeitarbeit ein Sprungbrett in die Stammbelegschaft ist. 2024 sind knapp 18% der überlassenen Arbeitskräfte nach der Zeitarbeit zu einer Fixanstellung in einem Unternehmen gekommen“, so so der Präsident von Österreichs Personaldienstleister, Dr. Martin Zieger. Zeitarbeit ist damit längst kein Randphänomen mehr, sondern ein fixer Bestandteil des österreichischen Arbeitsmarkts. Typische Einsatzbereiche finden sich in der Industrie (z. B. Produktionshilfen in der Metallverarbeitung), der Logistik (etwa Kommissionierer oder Staplerfahrer in großen Verteilzentren) oder im Handel (etwa Kassapersonal oder Lagermitarbeiter in saisonalen Stoßzeiten).
- Industrie
- Gewerbe und Handwerk
- Handel
- Transport und Verkehr
- Information und Consulting
- Tourismus und Freizeitwirtschaft
- Banken und Versicherungen
Vor allem Unternehmen, die ihre Flexibilität bewahren möchten und ihren Personalbedarf an die aktuelle Auslastung sowie Auftragslage anpassen müssen, setzen auf Arbeitskräfte in Zeitarbeit. Diese Unternehmen können bei Bedarf zusätzliches Personal über eine Zeitarbeitsfirma beziehen, ohne den gesamten Bewerbungsprozess durchlaufen zu müssen oder sich langfristig an neue Mitarbeiter binden zu müssen, wenn die genaue Dauer des Bedarfs unklar ist. Am öftesten werden Zeitarbeitnehmer in Oberösterreich eingesetzt, gefolgt von Wien, der Steiermark und Niederösterreich.
Vor- und Nachteile der Zeitarbeit
Im Vergleich zu einer Festanstellung im Unternehmen bietet Zeitarbeit für Arbeitnehmer sowohl Vor- als auch Nachteile, die es vorab abzuwägen gilt und die auch von den Bedürfnissen der jeweiligen Personen abhängen.
Vorteile der Zeitarbeit
Durchgehende Beschäftigung
Bei der Zeitarbeit sind die Arbeitnehmer bei der Zeitarbeitsfirma angestellt und werden dann bei Bedarf an die entsprechenden Unternehmen vermittelt. Dies kann deutliche Vorteile gegenüber einer direkten Anstellung beim Bedarfsunternehmen haben, besonders wenn der Bedarf zeitlich begrenzt ist und es sich daher um ein befristetes Arbeitsverhältnis handeln würde.
Gleicher Lohn, gleicher Urlaubsanspruch, gleiche Entgeltfortzahlung im Krankenstand
Auch hinsichtlich der Bezahlung haben Zeitarbeiter in der Regel keine Nachteile, da für sie der Kollektivvertrag des Beschäftigers gilt. Wenn zum Beispiel ein Stundenlohn vereinbart wurde, der unter dem kollektivvertraglichen Minimum liegt, hat der Zeitarbeiter dennoch Anspruch auf den höheren Stundenlohn gemäß des Kollektivvertrags. Auch während der Stehzeit, wenn der Zeitarbeiter nicht an ein Unternehmen überlassen wird, besteht Anspruch auf Lohn. Darüber hinaus haben Zeitarbeitnehmer Anspruch auf die gesetzlichen Urlaubstage, und im Krankheitsfall wird das Entgelt weiterhin bezahlt.
Zeitarbeit als Neustart
Vor allem seit der Corona-Krise, in der viele Personen ihren Job verloren haben, kann Zeitarbeit eine gute Möglichkeit sein, wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Auch während wirtschaftlich herausfordernder Phasen – etwa der Energiekrise – hat sich Zeitarbeit als flexibles Instrument zur Stabilisierung des Arbeitsmarkts erwiesen. Sie ermöglicht es Unternehmen, kurzfristig auf sich verändernde Rahmenbedingungen zu reagieren, während gleichzeitig Beschäftigung für Arbeitskräfte geschaffen oder erhalten wird.
Zeitarbeit eignet sich besonders als Einstiegsmöglichkeit, zur Überbrückung zwischen Jobs oder als Chance für Berufsrückkehrer und Quereinsteiger, um wieder in den Arbeitsprozess einzusteigen oder neue Branchen kennenzulernen.
Viele unterschiedliche Erfahrungen
Zeitarbeitnehmer haben die Möglichkeit, viele verschiedene Unternehmen kennenzulernen. Dies kann besonders für Personen vorteilhaft sein, die noch nicht sicher sind, in welchem Arbeitsumfeld sie sich langfristig sehen. Durch die Arbeit in verschiedenen Unternehmen können sie verschiedene Unternehmenskulturen erleben und feststellen, ob sie sich beispielsweise in großen Konzernen oder kleineren Unternehmen wohler fühlen oder in welcher Branche ihre Präferenzen liegen. Diese Diversität an Einsätzen – ob kurz- oder langfristig – erweitert den beruflichen Horizont und fördert oft auch persönliche Entwicklung.
Möglichkeit auf Festanstellung
Zudem ist es nicht auszuschließen, dass Unternehmen entlehntes Personal fix anstellen, wenn sie mit der Arbeitsleistung und dem Engagement einer Person zufrieden sind. In manchen Branchen gilt die Zeitarbeit sogar als „verlängertes Bewerbungsgespräch“. Allerdings variiert die tatsächliche Übernahmerate stark nach Branche und Region – neuere Studien zeigen, dass Übernahmen zwar möglich, aber nicht die Regel sind.
Nachteile der Zeitarbeit
Hin und Her
In der Zeitarbeit gibt es oft spannende Abwechslung: Man lernt unterschiedliche Unternehmen, Teams und Arbeitsweisen kennen. Das kann bedeuten, dass man sich regelmäßig auf neue Kollegen und Abläufe einstellt – eine Fähigkeit, die langfristig die eigene Flexibilität und Anpassungsstärke stärkt. Zwar kann es anfangs herausfordernd sein, sich in einem neuen Umfeld einzufinden, doch gleichzeitig bietet jeder Einsatz die Chance, das eigene Netzwerk zu erweitern und wertvolle Erfahrungen zu sammeln.
Auch die Einsatzdauer kann variieren – von kurzfristigen Projekten bis hin zu längerfristigen Einsätzen. Diese Vielfalt erfordert etwas Offenheit in der Planung, bringt jedoch den Vorteil mit sich, dass man viele verschiedene Branchen und Tätigkeiten kennenlernen und dadurch seinen persönlichen Karriereweg gezielt gestalten kann.
Ständige Flexibilität
Zeitarbeit bedeutet, offen für unterschiedliche Aufgaben und wechselnde Einsatzorte zu sein. Dadurch entwickelt man eine hohe Anpassungsfähigkeit, die in der heutigen Arbeitswelt sehr gefragt ist. Jeder Einsatz bietet die Möglichkeit, neue Fähigkeiten zu erwerben und vorhandene Kompetenzen zu vertiefen.
Die unterschiedlichen Anforderungen der Unternehmen sorgen dafür, dass kein Tag dem anderen gleicht – eine willkommene Abwechslung für alle, die ihre Arbeit abwechslungsreich und dynamisch gestalten möchten.
Welche Rechte habe ich als Zeitarbeitnehmer?
Die Arbeitskräfteüberlassung in Österreich wird durch das Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG) geregelt. Es legt die Rechte und Pflichten der beteiligten Parteien – also Zeitarbeitsfirma (Überlasser), entlehnendes Unternehmen (Beschäftiger) und Arbeitnehmer – verbindlich fest. Im Fokus steht dabei der Schutz der überlassenen Arbeitskräfte, insbesondere in Bezug auf Entlohnung, Arbeitszeit und Gleichbehandlung.
Seit den letzten Anpassungen im AÜG (Stand 2025) wurden unter anderem Branchentarife aktualisiert, um die Gehälter stärker an die jeweiligen Branchenstandards anzugleichen. Dadurch wird sichergestellt, dass überlassene Arbeitskräfte nicht systematisch unter dem Lohnniveau der Stammbelegschaft liegen. In bestimmten Sektoren – etwa Metall, Bau oder IT – gelten dabei eigene Überlassungs-Kollektivverträge oder Tarifzuschläge, die zusätzlich berücksichtigt werden müssen.
Bezahlung
Besonders praxisrelevant ist in diesem Zusammenhang die Equal-Pay- und Gleichbehandlungsregelung: Überlassene Arbeitnehmer haben in Österreich Anspruch auf den kollektivvertraglichen Mindestlohn des Beschäftigerbetriebs, also jenen Mindestlohn, der für vergleichbare Tätigkeiten im Einsatzbetrieb gilt. Die Gleichstellung betrifft den kollektivvertraglichen Anspruch, nicht den individuell ausgehandelten Lohn einzelner Mitarbeiter.
Das bedeutet also, dass der kollektivvertragliche Mindestlohn auch für Zeitarbeitnehmer gilt. Wenn beispielsweise mit der Zeitarbeitsfirma ein Stundenlohn von 8 Euro vereinbart wird, der Kollektivvertrag im Beschäftigerbetrieb jedoch einen Mindeststundenlohn von 10 Euro vorsieht, so stehen dem Zeitarbeiter die 10 Euro pro Stunde zu.
Diese Regelung orientiert sich inhaltlich an der deutschen „Equal Pay“-Vorgabe (§ 8 AÜG DE) und ist auch in Österreich Teil der laufenden Kontrollpraxis durch das Arbeitsinspektorat und die Gebietskrankenkassen. Verstöße können zu Nachzahlungen und empfindlichen Strafen führen.
Kündigung
Die Kündigungsfristen in der Zeitarbeit richten sich nach der Beschäftigungsdauer bei der Zeitarbeitsfirma: In den ersten 24 Monaten beträgt die Frist 2 Wochen, danach 4 Wochen. Bei einer Beschäftigung von mehr als zwei Jahren gleichen sich die Fristen schrittweise an die allgemeinen gesetzlichen Fristen an. Haben Sie bei derselben Zeitarbeitsfirma bereits früher gearbeitet und die Pause dazwischen war kürzer als 12 Monate, werden diese früheren Zeiten mitgezählt
Krankenstand
Im Krankheitsfall haben Zeitarbeitnehmer Anspruch auf Entgeltfortzahlung, die von der Zeitarbeitsfirma geleistet wird. Dabei wird das Entgelt bezahlt, das der Zeitarbeitnehmer erhalten hätte, wenn er gearbeitet hätte (Ausfallsprinzip).
Urlaub
In der Regel wird der Urlaub mit dem Arbeitgeber, in diesem Fall mit der Zeitarbeitsfirma, vereinbart. Abhängig von der Dauer des Einsatzes bei einem Unternehmen wird der Urlaub oft vor oder nach einer Überlassung festgelegt, kann jedoch auch während der Überlassung vereinbart werden. Die Höhe des Entgelts während des Urlaubs kann variieren: Wenn der Urlaub in die Zeit einer Überlassung fällt, erhält der Zeitarbeiter das Entgelt, das er bei diesem Unternehmen verdient hätte. Falls der Urlaub vor oder nach einer Überlassung liegt, wird das Entgelt gemäß des Arbeitsvertrags mit der Zeitarbeitsfirma gezahlt.
Schwangerschaft
Für Zeitarbeiterinnen gelten im Falle einer Schwangerschaft die gleichen Regelungen wie für andere Arbeitnehmerinnen. Das betrifft sowohl Meldefristen als auch Kündigungsschutz, Mutterschutz, Regelungen zur Karenz, Überstunden und Sonderbestimmungen für werdende Mütter.
Sozialversicherung
In der Zeitarbeit in Österreich ist die Sozialversicherung für die Beschäftigten automatisch sichergestellt. Die Zeitarbeitsfirma führt im Rahmen der Arbeitskräfteüberlassung sämtliche Beiträge zur Kranken-, Unfall-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung ab. Dadurch sind Zeitarbeitnehmer sozial umfassend abgesichert und genießen dieselben Sozialversicherungsleistungen wie regulär angestellte Mitarbeiter.
Dienstkleidung, Arbeitsmaterial und Co.
Neben der obligatorischen Sozialversicherung bieten viele Zeitarbeitsfirmen zusätzliche Leistungen an, um die Arbeit ihrer Beschäftigten zu erleichtern. Dazu zählen beispielsweise die Bereitstellung von Dienstkleidung, notwendigem Arbeitsmaterial und Tools sowie gegebenenfalls Zuschüsse oder Übernahmen von Transportkosten zum Einsatzort. Diese Zusatzleistungen unterstützen die Zeitarbeitnehmer in ihrem Arbeitsalltag und tragen zur Attraktivität der Beschäftigung bei.
Wann wird ein Zeitarbeitnehmer übernommen?
In Deutschland existiert die Regelung, dass Zeitarbeitnehmer, die länger als 18 Monate einem Betrieb überlassen werden, von diesem übernommen werden müssen, gemäß der Höchstüberlassungsdauer. In Österreich gibt es eine solche Regelung nicht. Eine zeitliche Begrenzung ist nur dann vorgesehen, wenn sie im Kollektivvertrag oder einzelvertraglich geregelt wurde – oder wenn ein sachlicher Befristungsgrund besteht (z. B. Projektarbeit).
Viele Unternehmen nutzen jedoch Zeitarbeit, um potenzielle neue Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum zu beobachten und dann bei Bedarf Einzelpersonen als festangestellte Mitarbeiter zu übernehmen. Wenn ein Unternehmen mit der Leistung eines Zeitarbeitnehmers zufrieden ist und diesen fest anstellen möchte, muss eine Vereinbarung mit der Zeitarbeitsfirma getroffen werden.
Was kann ich mit Zeitarbeit verdienen?
In der Arbeitskräfteüberlassung in Österreich gilt das Prinzip des „Equal Treatment“ – das bedeutet: Für Zeitarbeitnehmer gilt grundsätzlich der Kollektivvertrag jener Branche, in der sie eingesetzt werden, nicht jener des Überlassers. Dieser Grundsatz stellt sicher, dass Zeitarbeitnehmer beim Entgelt, bei Zulagen, Arbeitszeitregelungen, Urlaub und Sonderzahlungen gleichgestellt sind mit direkt angestellten Kollegen im Beschäftigerbetrieb.
- Logistik: Schichtzulagen, Nachtarbeitszuschläge, Sonntagszuschläge
- Metallindustrie: Gefahrenzulagen, Erschwerniszulagen, Montagezulagen
- Bau: Taggeld, Wegzeitvergütung, Schlechtwetterregelungen
Diese Zulagen müssen auch an Zeitarbeitnehmer bezahlt werden, sofern die Tätigkeit dieselben Voraussetzungen erfüllt wie bei Stammmitarbeitern.
In mehreren Branchen wurden in den Jahren 2023 und 2024 Tarifanpassungen durchgesetzt, etwa:
- Metallindustrie: durchschnittliche Lohnerhöhungen um rund 9 % (KV-Abschluss 2023)
- Handel: gestaffelte Erhöhungen je nach Entlohnungsgruppe
- Sozialwirtschaft: Stufenweise Anhebung durch die SWÖ-KV-Reform
- Logistik: Präzision von Regelungen zu Arbeitszeit und Wochenendzulagen, was auch die Abrechnung in der Zeitarbeit betrifft.
Zeitarbeitsfirmen müssen bei der Abrechnung daher nicht nur den branchenrelevanten Kollektivvertrag korrekt anwenden, sondern auch Zulagen, Sonderzahlungen und KV-Erhöhungen laufend aktualisieren, um gesetzeskonform zu handeln. Für Beschäftiger und Überlasser ist deshalb eine klare, transparente Lohnverrechnung und Dokumentation entscheidend.
Zusätzlich haben sie Anspruch auf das 13. und 14. Monatsgehalt (Urlaubszuschuss und Weihnachtsgeld). Alles, was über diese Standards hinausgeht, ist – wie bei jedem anderen Arbeitsvertrag – Verhandlungssache. Die Möglichkeit, ein höheres Entgelt auszuhandeln, steigt in der Regel mit den Qualifikationen und der Berufserfahrung der Zeitarbeitnehmer.
Diese Kriterien beeinflussen Ihr Gehalt als Zeitarbeitnehmer:
- Lehrabschluss
- Zweckausbildung
- Fachkenntnisse und Fähigkeiten
- Fähigkeit selbstständig zu arbeiten
- Arbeitserfahrung
- Verantwortung
Typische Einsatzmodelle in der Zeitarbeit
Typische Einsatzmodelle in der Zeitarbeit spiegeln die unterschiedlichen Anforderungen von Unternehmen wider und reichen von kurzfristigen, flexiblen Lösungen bis hin zu längerfristigen Einsätzen mit Perspektive auf eine Festanstellung. Folgende Modelle gibt es dabei besonders häufig:
- Kurzzeit-Einsätze:
- Dauer: wenige Tage bis maximal 3 Monate.
- Einsatz in saisonalen Spitzen, bei Auftragsspitzen oder kurzfristigem Personalbedarf.
- Hohe Flexibilität, schnelle Reaktion auf Marktanforderungen.
- Langzeit-Einsätze:
- Dauer: 6 Monate bis 1 Jahr oder länger.
- Typisch in Bereichen mit längerfristigem Personalbedarf, z.B. Bau, Produktion, Logistik.
- Ermöglicht tieferes Einarbeiten und teilweise Übernahme von regulären Aufgaben.
- Integration mit späterer Fixanstellung („Perm“ / „Perm Placement“):
- Zeitarbeit als „Probezeit“ mit Option auf Festanstellung.
- Besonders beliebt bei Unternehmen, die Kandidaten zunächst im realen Arbeitsumfeld testen wollen.
- Dauer der Zeitarbeit vor Fixanstellung meist 3–6 Monate.
- Vorteil für Arbeitnehmer: Sicherheit, sich im Betrieb zu bewähren.
- Vorteil für Arbeitgeber: Reduziertes Risiko bei Neueinstellungen.
Mögliche Karrierewege: Chancen und Jobs im Bereich der Zeitarbeit in Österreich
Zeitarbeit ist mittlerweile in den verschiedensten Branchen und Arbeitsbereichen weit verbreitet. Egal ob in handwerklichen, manuellen Tätigkeiten, in der Fertigung, im Vertrieb, im Assistenzbereich oder sogar in der Finanzbranche als Buchhalter oder Wirtschaftsprüfer bzw. im Personalmanagement – immer mehr Unternehmen entscheiden sich dafür, zusätzliches Personal über Zeitarbeitsfirmen einzustellen. Dies ermöglicht es Unternehmen, schnell und projekt- oder saisonbezogen die benötigten Arbeitskräfte zu erhalten. Ein weiterer Einsatzbereich sind Personalengpässe, insbesondere in Urlaubszeiten oder bei Krankheitsfällen.
Das noch immer anhaltende Vorurteil, dass Zeitarbeiter weniger Ausbildungen und Erfahrungen mitbringen, ist längst überholt. Mittlerweile sind sehr viele gute Fachkräfte bei Zeitarbeitsfirmen angestellt. Dementsprechend finden sich in Jobbörsen auch in den unterschiedlichsten Bereichen sehr lukrative und interessante Stellenanzeigen für Zeitarbeitnehmer.
Viele Zeitarbeitsfirmen haben sich auf spezifische Bereiche spezialisiert. Man findet Unternehmen, die sich beispielsweise auf das Überlassen von Fachkräften im Vertrieb oder in einer bestimmten Branche konzentrieren. Auf diese Weise kann jeder eine Zeitarbeitsfirma finden, die zu den persönlichen Qualifikationen und Jobpräferenzen passt. Durch die Zeitarbeit können Arbeitnehmer wertvolle Erfahrungen in verschiedenen Unternehmen sammeln, die bei einer Festanstellung in einem einzelnen Unternehmen kaum möglich wären.
Zeitarbeit im Vertrieb
Durch Zeitarbeit im Vertrieb erhalten Menschen aller Altersstufen die Möglichkeit, höhere Flexibilität zu genießen und umfangreiche berufliche Erfahrungen zu sammeln. Tägliche Interaktionen mit Kunden aus verschiedenen Teilen der Welt bieten Einblicke in unterschiedliche Persönlichkeiten und Hintergründe. Zudem ermöglicht die Vertriebserfahrung das Erlernen wertvoller Fähigkeiten wie Kommunikationskompetenz, Geduld und Belastbarkeit, die auch im späteren Berufsleben von großem Nutzen sein können.
Zeitarbeit in der Finanzbranche
Insbesondere in der Finanzbranche stellt Zeitarbeit nicht nur eine schnelle Möglichkeit dar, einen Job zu finden, sondern bietet möglicherweise auch die Chance, besser zu verdienen als in einer Festanstellung. Zeitarbeiter werden häufig dann angefragt, wenn es Arbeitsspitzen zu bewältigen gibt – und Unternehmen sind bereit, für diese Entlastung einen höheren Preis zu zahlen. Zudem ermöglicht Zeitarbeit Buchhaltern, Wirtschaftsprüfern und ähnlichen Berufen die Flexibilität, jederzeit den Arbeitgeber zu wechseln, ohne auf eine langfristige Bindung an ein Unternehmen angewiesen zu sein.
Zeitarbeit im Personalwesen
Recruiter agieren als Vermittler zwischen Kandidaten und Arbeitgebern und tragen dabei viele verschiedene Hüte. Diese Vielseitigkeit macht den Job sowohl anspruchsvoll als auch spannend: Neben fachlichem Know-how sind vor allem starke kommunikative Fähigkeiten und Empathie gefragt. Durch die Unterstützung von Arbeitgebern bei der optimalen Personalführung fungieren Recruiter nicht nur als Unterstützer erfolgreicher Unternehmen, sondern haben auch ausgezeichnete Chancen auf langfristige Übernahmen.
Förderung und Entwicklung von Zeitarbeitnehmern
Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden und Karrierechancen zu verbessern, spielt Weiterbildung eine immer wichtigere Rolle. Die APS Group übernimmt hierbei eine zentrale Funktion: Sie unterstützt Zeitarbeitnehmer durch Onboarding, Schulungen und Beratung, beispielsweise durch den Einsatz digitaler Tools, die über ein breites Standortnetzwerk zugänglich sind. „Dieses Reservoir an ungenütztem Talent machen wir sichtbar und stellen es als Mittler dem Arbeitsmarkt zur Verfügung“, sagt Martin Zauner, Geschäftsführer der APS Group, der darin eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten sieht: „Unternehmen kommen rasch an qualifizierte Fachkräfte; umgekehrt haben Fachkräfte einen sicheren Arbeitsplatz und können sich bei der APS Group laufend weiterbilden.“ So wird nicht nur die Eingliederung in den jeweiligen Einsatzbetrieb erleichtert, sondern auch die kontinuierliche Qualifikation der Mitarbeitenden gefördert.
Darüber hinaus empfehlen Zeitarbeitsfirmen häufig externe Förderungen wie jene des AMS (Arbeitsmarktservice Österreich) oder regionale Landestöpfe, die Weiterbildung und Qualifizierung finanziell unterstützen. Diese Programme helfen Zeitarbeitnehmern, ihre Kompetenzen zu erweitern, Karrierewege zu planen und langfristig bessere berufliche Perspektiven zu erlangen.
Herausforderungen & Kritik von Zeitarbeit im Jahr 2025
Die Zeitarbeit in Österreich ist ein bedeutendes Instrument am Arbeitsmarkt, das gleichzeitig unterschiedliche Anforderungen und Diskussionen mit sich bringt. Sie ermöglicht es Unternehmen, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, flexibel und kurzfristig auf Personalbedarfe zu reagieren. Damit dieses Modell langfristig erfolgreich bleibt, ist es wichtig, eine Balance zu wahren, sodass Zeitarbeit als wertvolle Ergänzung zu regulären Beschäftigungsverhältnissen dient.
In der Praxis wird immer wieder auf Punkte hingewiesen, bei denen Optimierungspotenzial besteht – etwa bei der Reduzierung von Fluktuation, um die Stabilität für Zeitarbeitnehmer zu erhöhen. Auch die Mitbestimmungsrechte im Einsatzbetrieb könnten gestärkt werden, um die Position der Beschäftigten zu festigen. Zudem wäre es wünschenswert, den Übergang in Festanstellungen nach einem Einsatz noch gezielter zu fördern, um Beschäftigungslücken zu vermeiden.
2024 sind knapp 18% der überlassenen Arbeitskräfte nach der Zeitarbeit zu einer Fixanstellung in einem Unternehmen gekommen. Dies verdeutlicht, dass Zeitarbeit für viele Arbeitnehmer durchaus auch als Sprungbrett in eine dauerhafte Anstellung dienen kann.
Ausblick & Trends
Die Zeitarbeitsbranche steht vor vielfältigen Herausforderungen und Chancen, die sich insbesondere durch gesellschaftliche und technologische Entwicklungen ergeben. Nach der Corona-Pandemie zeigt sich eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Zeitarbeitskräften, vor allem in den Bereichen Logistik, Industrie und Bau. Diese Branchen profitieren besonders von der Flexibilität, die Zeitarbeit bietet, um auf Schwankungen im Auftragsvolumen schnell reagieren zu können.
Auch die Digitalisierung spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Moderne On-Site-Dienste ermöglichen eine effizientere Steuerung von Zeitarbeitnehmern direkt am Einsatzort. Ergänzt wird dies durch neue Payrolling-Modelle und den Einsatz innovativer HR-Technologien – etwa Chatbots, die im Recruiting oder bei der Mitarbeiterbetreuung eingesetzt werden.
Zugleich rücken Themen wie Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung stärker in den Fokus. Immer mehr Zeitarbeitsunternehmen achten auf faire, zukunftsfähige Arbeitspraktiken. Dabei gewinnen Aspekte wie Vielfalt, Inklusion und die Anpassung an demografische Veränderungen zunehmend an Bedeutung – sowohl für die Mitarbeitergewinnung als auch für langfristige Personalstrategien.
Wie viele andere Bereiche ist auch die Zeitarbeitsbranche in Österreich stark von der konjunkturellen Entwicklung abhängig. Für das Jahr 2025 wird ein moderates Wirtschaftswachstum von rund 1 % prognostiziert. Die Aussichten bleiben jedoch verhalten. „Wir sehen derzeit noch keine Erholung bei den Unternehmen in Österreich. Eine wirtschaftliche Erholung erwarten wir, nach heutigem Wissensstand, erst wieder für das Jahr 2026“, so Dr. Martin Zieger.
Fragen und Antworten
Was bedeutet Zeitarbeit in Österreich genau?Bei der Zeitarbeit haben Sie Ihren Arbeitsvertrag mit einer Zeitarbeitsfirma. Diese überlässt Sie für eine bestimmte Zeit an ein anderes Unternehmen, in dem Sie tatsächlich tätig sind.
Wer ist bei Zeitarbeit mein Arbeitgeber?Ihr Arbeitgeber ist die Zeitarbeitsfirma, nicht das Unternehmen, in dem Sie eingesetzt werden.
Ist Zeitarbeit dasselbe wie Leiharbeit?Ja. Rechtlich spricht man von Arbeitskräfteüberlassung, umgangssprachlich von Zeitarbeit oder Leiharbeit.
Habe ich als Zeitarbeitnehmer Anspruch auf das gleiche Gehalt wie Stammmitarbeiter?Ja. Sie haben Anspruch auf das gleiche Entgelt wie vergleichbare Arbeitnehmer im Beschäftigerbetrieb.
Habe ich in der Zeitarbeit Anspruch auf Urlaub und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall?Ja. Sie haben Anspruch auf bezahlten Urlaub sowie auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall wie andere Arbeitnehmer auch.
Welche Arbeitszeitregelungen gelten in der Zeitarbeit?Für Sie gelten die gesetzlichen Arbeitszeit- und Ruhezeitbestimmungen ebenso wie für andere Arbeitnehmer im Einsatzbetrieb.
In welchen Branchen wird Zeitarbeit häufig eingesetzt?Zeitarbeit wird vor allem in Industrie, Logistik und Handel genutzt, also dort, wo flexibel Personal benötigt wird.
Was bedeuten die Begriffe „Überlasser“ und „Beschäftiger“?Der Überlasser ist die Zeitarbeitsfirma, bei der Sie angestellt sind. Der Beschäftiger ist das Unternehmen, in dem Sie tatsächlich arbeiten.
Wie funktioniert die Kündigung in der Zeitarbeit?Neu: „Die Kündigungsfrist beträgt in den ersten 24 Monaten der Beschäftigung bei der Zeitarbeitsfirma 2 Wochen, danach 4 Wochen. Frühere Beschäftigungszeiten beim selben Arbeitgeber werden mitgezählt, sofern die Unterbrechung nicht länger als 12 Monate war.
Kann ich aus der Zeitarbeit in eine Fixanstellung übernommen werden?Ja. Wenn der Beschäftigerbetrieb zufrieden ist, kann eine direkte Anstellung im Unternehmen vereinbart werden.
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