28.09.2023

Kündigungsschutz für Zeitarbeiter: Was sagt das österreichische Recht?

Als Zeitarbeitnehmer sollten Sie Ihre Rechte genau kennen. Dazu gehören auch alle Fragen rund um den Kündigungsschutz. Wir zeigen Ihnen, welche Fristen gelten und wie Sie sich gegen eine ungerechtfertigte Kündigung wehren können.

Grundlagen des österreichischen Arbeitsrechts

Ob Zeitarbeiter oder nicht, die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern werden in Österreich durch das Arbeitsrecht geregelt. Zeit, einen genaueren Blick auf diesen Gesetzestext zu werfen.

Kurzer Überblick über das Arbeitsrecht in Österreich

Das Arbeitsrecht regelt alle wichtigen Punkte rund um die Arbeit. Dazu gehören neben Arbeitsverträgen, Urlaubszeiten, Arbeitszeiten oder Krankheit auch der Kündigungsschutz sowie das Thema Arbeitslosigkeit. So regelt das Arbeitsrecht die Kündigungsfristen sowie Ausnahmen und gibt dem Arbeitnehmer die Möglichkeit, gegen eine Kündigung gerichtlich vorzugehen.

Wie Zeitarbeit im Gesetz definiert ist

Von Gesetzes wegen steht der Zeitarbeitnemer in einem Arbeitsverhältnis mit dem Überlasser, d.h. mit dem Zeitarbeitsunternehmen, das ihn als Zeitarbeitnehmer einem Unternehmen zur Verfügung stellt. Der Zeitarbeiter erbringt seine Dienstleistung also nicht für den Überlasser, sondern für ein anderes Unternehmen. Dies unterscheidet einen Zeitarbeitnehmer von anderen Arbeitnehmern.

Generelle Bestimmungen zum Kündigungsschutz in Österreich

Der Kündigungsschutz in Österreich verbietet die Kündigung von Arbeitnehmern aus Diskriminierungsgründen. Für Zeitarbeitskräfte und Festangestellte gilt: Während der einmonatigen Probezeit kann das Arbeitsverhältnis jederzeit ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. Danach gibt es jedoch einige Unterschiede, die im Folgenden näher erläutert werden.

Kündigungsschutz für Zeitarbeiter im Detail

Da Zeitarbeitnehmer – im Gegensatz zu normalen Arbeitnehmern – ihre Dienstleistung in einem Unternehmen erbringen, bei dem sie nicht angestellt sind, gelten für Zeitarbeitnehmer besondere Kündigungsschutzvorschriften.

Besondere Regelungen für Zeitarbeiter

Keine Arbeit, kein Lohn? Diese Annahme ist falsch, denn wenn ein Zeitarbeitnehmer nicht vermittelt werden kann – man spricht dann von Stehzeiten – muss der Arbeitgeber trotzdem den vollen Lohn zahlen. Aber darf der Arbeitgeber dem Zeitarbeitnehmer einfach kündigen, wenn er ihn nicht vermitteln kann?

Fristen und Kündigungsgründe

Ein Kündigungsgrund wäre beispielsweise die Nichterbringung der Arbeitsleistung. Viele Zeitarbeitnehmer stellen sich die Frage, ob sie nach dem Ende einer Überlassung – also nach dem Ende einer Dienstleistung für ein bestimmtes Unternehmen – gekündigt werden können. Die beruhigende Antwort: Bis zu vier Tage nach der Überlassung darf einem Zeitarbeitnehmer nicht gekündigt werden, und er hat Anspruch auf den vollen Lohn. Und auch danach ist eine Kündigung nicht von heute auf morgen möglich.

Je nach Dauer der Beschäftigung bei der Zeitarbeitsfirma muss der Arbeitgeber unterschiedliche Kündigungsfristen einhalten. Bei einem unterbrochenen Arbeitsverhältnis beträgt die Kündigungsfrist in den ersten 24 Monaten zwei Wochen, danach vier Wochen.

Handelt es sich hingegen um eine ununterbrochene Beschäftigung, lauten die Fristen wie folgt:

  • Bei einer Beschäftigung unter 12 Monaten hat der Beschäftigte eine Kündigungsfrist von drei Wochen
  • Bei einer Beschäftigung von 12 bis 18 Monaten hat der Beschäftigte eine Kündigungsfrist von vier Wochen
  • Bei einer Beschäftigung von 18 Monaten bis zwei Jahren hat der Beschäftigte eine Kündigungsfrist von sechs Wochen
  • Bei einer Beschäftigung von zwei bis fünf Jahren hat der Beschäftigte eine Kündigungsfrist von zwei Monaten
  • Bei einer Beschäftigung von fünf bis 15 Jahren hat der Beschäftigte eine Kündigungsfrist von drei Monaten
  • Bei einer Beschäftigung von 15 bis 25 Jahren hat der Beschäftigte eine Kündigungsfrist von vier Monaten
  • Bei einer Beschäftigung von mehr als 25 Jahren hat der Beschäftigte eine Kündigungsfrist von fünf Monaten

Unterschiede zum Kündigungsschutz für Festangestellte

Für Festangestellte gelten andere Kündigungsfristen. So beträgt die Kündigungsfrist für Festangestellte in den ersten zwei Jahren bereits sechs Wochen und ab dem dritten Dienstjahr drei Monate. Danach gleichen sich die Kündigungsfristen an.

Was man tun sollte, wenn man gekündigt wird

Sie wurden gekündigt? Und Ihrer Meinung nach zu Unrecht? In diesem Fall gibt es Möglichkeiten, die Sie ergreifen können.

Erste Schritte nach Erhalt der Kündigung

Wenn Ihnen gekündigt wurde, ist es ratsam, als ersten Schritt eine Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen. Nur so kann geprüft werden, ob die Kündigung rechtmäßig war oder nicht. Aber Achtung: Eine Anfechtungsklage muss innerhalb von zwei Wochen bei Gericht eingereicht werden. Hierfür stehen Ihnen als Zeitarbeitnehmer Rechtsberatungsstellen zur Verfügung, die Sie unbedingt in Anspruch nehmen sollten.

Rechtsberatung und Unterstützung

Wurden Sie gekündigt, sollten Sie am besten sofort mit dem Betriebsrat oder der Gewerkschaft PRO-GE Kontakt aufnehmen. Verlieren Sie keine wertvolle Zeit und holen Sie sich rasch Hilfe von den Experten. Als Erstkontakt steht Ihnen die kostenlose Hotline von PRO-GE zur Verfügung. Sind Sie Mitglied der PRO-GE, steht Ihnen eine gewerkschaftliche Soforthilfe und Rechtsschutz zu.

Mögliche Handlungsoptionen und Rechtsmittel

Ihre Kündigung scheint tatsächlich ungerechtfertigt zu sein, beispielsweise aufgrund Ihres Alters? Dann können Sie eine Klage beim zuständigen Arbeits- und Sozialgericht einbringen. Die Frist dafür beträgt zwei Wochen nach Erhalt der Kündigung.

Schlussfolgerung

Sie sehen: Auch als Zeitarbeitnehmer sind Sie einer willkürlichen Kündigung nicht schutzlos ausgeliefert. Für Zeitarbeitnehmer gelten kürzere Kündigungsfristen als für Festangestellte. Allerdings darf auch einem Zeitarbeitnehmer in den ersten vier Tagen nach Beendigung des Arbeitseinsatzes nicht gekündigt werden. Wird danach gekündigt, gilt eine Kündigungsfrist von mindestens zwei Wochen. Darüber hinaus ist es ratsam, sich an die Gewerkschaft PRO-GE zu wenden, um gegebenenfalls eine Klage beim zuständigen Arbeits- und Sozialgericht einzubringen.

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