26.01.2026

Das Arbeitszeitgesetz für Zeitarbeitnehmer: Ihre Rechte auf einen Blick

Zeitarbeitnehmer arbeiten oft in unterschiedlichen Betrieben und damit auch unter wechselnden Arbeitszeiten. Genau das führt im Alltag immer wieder zu Unsicherheiten: Wie viele Stunden darf ich eigentlich arbeiten? Welche Pausen stehen mir zu? Wer ist für die Einhaltung verantwortlich – Entleiher oder Einsatzbetrieb? Das Arbeitszeitgesetz für Zeitarbeitnehmer sorgt hier für klare Regeln. Dieser Artikel gibt einen kompakten und verständlichen Überblick über die wichtigsten Vorgaben – speziell zugeschnitten auf die Zeitarbeit. So wissen Sie genau, welche Rechte Sie haben und worauf Sie achten sollten.

Warum das Arbeitszeitgesetz wichtig ist

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) dient dem Schutz von Arbeitnehmern und stellt sicher, dass niemand durch überlange Arbeitszeiten überlastet wird. Es legt verbindlich fest, wie viele Stunden pro Tag und Woche gearbeitet werden darf, welche Pausen und Ruhezeiten einzuhalten sind und unter welchen Bedingungen Überstunden zulässig sind.

Auch in der Zeitarbeit gelten diese Regeln uneingeschränkt – unabhängig davon, in welchem Einsatzbetrieb Sie gerade tätig sind. Das bedeutet: Die gesetzlichen Vorgaben schützen Sie immer, egal wo Sie eingesetzt sind.

Grundlegende Arbeitszeitregelungen in Österreich

Tägliche und wöchentliche Arbeitszeit

In Österreich beträgt die gesetzliche Normalarbeitszeit maximal 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche. In vielen Branchen – und auch in der Zeitarbeit – kann diese jedoch erweitert werden. Durch Modelle wie Gleitzeit oder Schichtarbeit ist eine Verlängerung auf bis zu 10 Stunden täglich möglich.

Auch die Wochenarbeitszeit kann variieren: In bestimmten Arbeitszeitmodellen ist ein Durchschnitt von bis zu 48 Stunden pro Woche über einen längeren Zeitraum zulässig. Trotz wechselnder Einsatzorte gilt: Diese Grenzen sind auch für Zeitarbeitnehmer verbindlich, unabhängig davon, in welchem Betrieb sie eingesetzt werden.

Überstunden

Sie dürfen Überstunden nur leisten, wenn sie angeordnet oder ausdrücklich genehmigt sind. Für jede Überstunde steht ein Zuschlag von mindestens 50 % zu. Alternativ kann anstelle der Bezahlung auch Zeitausgleich vereinbart werden, meist im Verhältnis 1:1,5.

In der Zeitarbeit ist eines besonders wichtig: Auch wenn Überstunden im Einsatzbetrieb anfallen, müssen sie immer mit dem eigenen Arbeitgeber, also dem Zeitarbeitsunternehmen, abgestimmt werden.

Ruhepausen

Wer länger als 6 Stunden am Tag arbeitet, hat Anspruch auf eine mindestens 30-minütige Pause. Diese kann einheitlich genommen oder in mehrere kürzere Pausen – etwa zwei Mal 15 Minuten – aufgeteilt werden. Die gesetzliche Pause dient der Erholung und trägt entscheidend zur Sicherheit am Arbeitsplatz bei.

Tägliche und wöchentliche Ruhezeit

Zwischen zwei Arbeitstagen müssen mindestens 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit liegen. Zusätzlich steht Arbeitnehmern eine wöchentliche Ruhezeit von mindestens 36 Stunden zu, die in der Regel das Wochenende umfasst – meist von Samstagmittag bis Montagmorgen.

In Schichtbetrieben können Ausnahmen gelten, doch auch hier ist verbindlich: Für jede verkürzte Ruhezeit muss Ersatzruhe gewährt werden.

Sonderregelungen für Zeitarbeit und Schichtsysteme

Flexible Arbeitszeitmodelle

In der Zeitarbeit gehören wechselnde Einsatzorte, unterschiedliche Betriebe und variierende Schichtpläne zum Alltag. Gerade deshalb ist es wichtig zu wissen, wer für die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes verantwortlich ist: rechtlicher Arbeitgeber ist immer das Zeitarbeitsunternehmen, nicht der Einsatzbetrieb. Dieses ist verpflichtet sicherzustellen, dass alle arbeitsrechtlichen Vorgaben eingehalten werden – selbst wenn die tatsächliche Arbeit an einem anderen Ort stattfindet.

Damit die Arbeitszeiten klar definiert sind, müssen entsprechende Vereinbarungen im Dienstvertrag oder in der Überlassungsvereinbarung festgehalten werden. So wissen Zeitarbeitnehmer genau, welche Schichten, Modelle oder Rahmenbedingungen für ihren Einsatz vorgesehen sind.

Nachtarbeit & Schichtarbeit

Als Nachtarbeit gilt jede Tätigkeit, die zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr erbracht wird. Für diese Zeiten besteht in der Regel ein Anspruch auf Zuschläge oder auf Zeitausgleich, je nach vertraglicher oder kollektivvertraglicher Regelung.

In der Schichtarbeit kommen häufig komplexere oder rotierende Arbeitszeitmodelle zum Einsatz. Unabhängig davon bleiben die gesetzlichen Ruhezeiten – wie tägliche und wöchentliche Ruhephasen – vollständig bestehen. Auch Zeitarbeitnehmer haben in Schichtbetrieben denselben Schutz wie die Stammbelegschaft.

Rufbereitschaft und Wochenendarbeit

Rufbereitschaft ist nur zulässig, wenn sie im Vertrag oder durch klare betriebliche Vereinbarungen geregelt ist. Dabei wird unterschieden zwischen Bereitschaftsdienst – bei dem die Arbeitszeit am Einsatzort verbracht wird – und Rufbereitschaft, bei der sich Arbeitnehmer lediglich verfügbar halten müssen. Arbeitszeit entsteht erst, wenn ein tatsächlicher Einsatz erfolgt.

Sonn- und Feiertagsarbeit ist nur in gesetzlich definierten Ausnahmefällen erlaubt, etwa in bestimmten Dienstleistungs- oder Produktionsbereichen. Wird dennoch an solchen Tagen gearbeitet, steht eine Ersatzruhe zu, um die Erholung sicherzustellen.

Rechte und Pflichten von Zeitarbeitnehmern

Ihre Rechte

Zeitarbeitnehmer genießen die gleichen Schutzrechte wie festangestellte Beschäftigte. Dazu gehören unter anderem:

  • Anspruch auf gesetzlich geregelte Arbeits- und Ruhezeiten, die Überlastung verhindern.
  • Anspruch auf Zuschläge bei Mehrarbeit, Überstunden oder Nachtarbeit.
  • Schutz vor unbezahlten Überstunden und genereller Überlastung am Arbeitsplatz.
  • Recht auf klare Information über Arbeitszeiten, Einsatzorte und Schichten bereits vor Beginn des Einsatzes.

Diese Rechte stellen sicher, dass Zeitarbeit nicht zu Nachteilen oder übermäßiger Belastung führt, auch wenn die Einsätze häufig wechseln.

Ihre Pflichten

Neben den Rechten haben Zeitarbeitnehmer auch Pflichten, um den reibungslosen Ablauf und die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes zu gewährleisten:

  • Arbeitszeiten korrekt dokumentieren, zum Beispiel über Stundenzettel oder Zeiterfassungssysteme.
  • Pausen einhalten und Überstunden nur nach vorheriger Absprache mit dem Zeitarbeitsunternehmen leisten.
  • Bei Problemen oder Unsicherheiten zeitnah Kontakt zum Zeitarbeitsunternehmen aufnehmen, um Lösungen zu finden und Missverständnisse zu vermeiden.

Durch die Einhaltung dieser Pflichten können Zeitarbeitnehmer ihre Rechte effektiv wahrnehmen und gleichzeitig ihre Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz schützen.

Häufige Fragen aus der Praxis

Gilt das Arbeitszeitgesetz auch, wenn ich in einem anderen Betrieb eingesetzt bin?

Ja, das Arbeitszeitgesetz gilt immer, unabhängig vom Einsatzbetrieb. Verantwortlich für die Einhaltung ist Ihr rechtlicher Arbeitgeber, also das Zeitarbeitsunternehmen.

Was passiert, wenn ich mehrere Jobs habe?

Wenn Sie mehrere Beschäftigungen gleichzeitig ausüben, müssen die Gesamtarbeitszeiten aller Jobs die gesetzlich erlaubten Grenzen einhalten. Auch hier ist die Verantwortung, dass die Arbeitszeiten korrekt erfasst und nicht überschritten werden, beim Arbeitgeber.

Wer zahlt meine Überstunden – das Zeitarbeitsunternehmen oder der Einsatzbetrieb?

Überstunden werden vom Zeitarbeitsunternehmen vergütet, selbst wenn sie im Einsatzbetrieb geleistet wurden. Der Einsatzbetrieb darf keine Überstunden direkt anordnen ohne Abstimmung mit dem Überlasser.

Kann ich Ruhezeiten „verkürzen“, wenn der Kunde das will?

Nein, Sie dürfen gesetzliche Ruhezeiten nicht eigenmächtig verkürzen. Ausnahmen gibt es nur gesetzlich geregelt, etwa in Notfällen oder bei Schichtsystemen – auch dann muss Ersatzruhe gewährt werden.

Gut informiert in die Zeitarbeit

Das Arbeitszeitgesetz schützt alle Arbeitnehmer, auch diejenigen in der Zeitarbeit. Wer seine Rechte kennt – von täglichen und wöchentlichen Arbeitszeiten über Pausen bis hin zu Überstundenregelungen – kann diese aktiv wahrnehmen und seine Gesundheit sowie Sicherheit am Arbeitsplatz schützen.

Informiert arbeiten heißt sicher arbeiten – wer über seine Rechte und Pflichten Bescheid weiß, kann seine Arbeitszeit optimal gestalten und von den Schutzmechanismen des Gesetzes profitieren.

 

Fragen und Antworten

Gilt das Arbeitszeitgesetz auch für Zeitarbeitnehmer?

Ja. Zeitarbeitnehmer unterliegen grundsätzlich demselben Arbeitszeitgesetz wie andere Arbeitnehmer.

Wie lange darf ich täglich arbeiten?

Sie dürfen in der Regel maximal 12 Stunden täglich arbeiten. Mehr ist nur in Ausnahmefällen zulässig.

Wie viele Stunden pro Woche darf ich arbeiten?

Sie dürfen in einer Woche grundsätzlich bis zu 60 Stunden arbeiten, wenn bestimmte Voraussetzungen eingehalten sind.

Darf ich im Durchschnitt mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten?

Nein. Über einen längerfristigen Berechnungszeitraum darf die durchschnittliche Wochenarbeitszeit 48 Stunden nicht überschreiten.

Wie lang müssen die täglichen Ruhezeiten zwischen zwei Arbeitstagen sein?

Zwischen zwei Arbeitstagen müssen Sie mindestens 11 Stunden Ruhezeit haben.

Gilt diese Ruhezeit auch, wenn ich nur kurz arbeite?

Ja. Die Ruhezeit gilt unabhängig davon, wie viele Stunden Sie am Tag gearbeitet haben.

Wie viele Pausen stehen mir zu?

Wenn Ihre Arbeitszeit mehr als 6 Stunden beträgt, haben Sie Anspruch auf mindestens 30 Minuten Pause. Diese kann in Pausen à 15 oder 10 Minuten aufgeteilt werden.

Welche Pausenregelung gilt bei noch längerer Arbeitszeit?

Bei einer Arbeitszeit von mehr als 9 Stunden haben Sie Anspruch auf mindestens 45 Minuten Pause.

Gelten diese Arbeitszeit- und Pausenregeln immer?

Ja. Diese Regeln des Arbeitszeitgesetzes gelten grundsätzlich für alle Arbeitsverhältnisse, also auch für Zeitarbeitnehmer.

Warum sind diese Arbeitszeitregeln wichtig?

Weil sie sicherstellen, dass Sie ausreichend Erholung bekommen und nicht übermäßig lange arbeiten müssen, was Ihrer Gesundheit dient.

 

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